Sonntag, 18. Juni 2017

The Holy Island of Lindisfarne

 “A.D. 787.  This year King Bertric took Edburga the daughter of Offa to wife.  And in his days came first three ships of the Northmen from the land of robbers. The reve (30) then rode thereto, and would drive them to the king's town; for he knew not what they were; and there was he slain. These were the first ships of the Danish men that sought the land of the English nation.”                                - Anglo-Saxon Chronicle, The Winchester Manuscript (A)

Während der Herrschaft Beorhtrics (Herrschaftszeit 786-802), König des angelsächsischen Königreichs Wessex, landeten im Jahr 787 drei dänische Schiffe an der Küste von Wessex, wahrscheinlich in der Nähe von Portland bei Dorset. Irrtümlicherweise dachte der reeve, Stellvertreter des earls und damit gleichzeitig Verwalter, Steuereintreiber und Schöffe, dass die ankommenden Dänen Händler seien, die anstehende Steuern zahlen würden. Er führte sie direkt in die Stadt des Königs, wo sie den reeve erschlugen. Dieser Eintrag in den angelsächsischen Chroniken beschreibt den ersten feindseligen Kontakt zwischen Angelsachsen und Dänen und kennzeichnet den Beginn des Viking Age in England. In anderen Quellen findet dieser Vorfall weit weniger Beachtung als ein Ereignis, das sechs Jahre später stattfinden sollte: der Überfall auf das Kloster Lindisfarne. In diesem kurz!-Artikel sollen nicht nur dieser Überfall, sondern auch die Insel selbst und ihr dazugehöriges Kloster im Mittelpunkt stehen.

Das Kloster auf Lindisfarne / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/ed/Lindisfarne_Priory_from_above.jpg

Sonntag, 4. Juni 2017

Jenny Geddes und der Krieg der Stühle

Radierung von Wenceslaus Hollar (1607-1677), https://en.wikipedia.org/wiki/Jenny_Geddes#/media/File:Riot_against_Anglican_prayer_book_1637.jpg

Dieses Bild zeigt eine populäre Szene der Stadtgeschichte von Edinburgh: den sogenannten war of the chairs (Krieg der Stühle) am 23. Juli 1637 in der St. Giles’ Cathedral. In dessen Zuge wurde der Dekan der Kirche von einem wütenden Mob aus Besuchern seines Gottesdienstes mit Stühlen und Wurfgeschossen attackiert. Eine zentrale Rolle spielte dabei, zumindest legendenhaften Erzählungen nach, eine Marktfrau namens Jenny Geddes. Wie es zu diesem Ereignis kam, das sich zu einem stadtweiten Aufstand entwickelte und in einer regelrechten Serie von weiteren Konflikten zwischen England und Schottland gipfelte und welche Rolle Jenny Geddes dabei gespielt hat, soll in diesem kurz!-Artikel genauer untersuchen. 

Sonntag, 21. Mai 2017

Hieronymus Brunschwig und sein „buch der Cirurgia“

Als der Straßburger Drucker Johann Grüninger im Juli 1497 eine Inkunabel mit dem Titel Dis ist das buch der Cirurgia. Hantwirckung der wundartzny herausgab, war damit das erste gedruckte Chirurgiebuch in deutscher Sprache erhältlich geworden. Zudem beinhaltet die vom Straßburger Wundarzt Hieronymus Brunschwig verfasste Inkunabel fast 50 ganzseitige und zahlreiche kleinere Abbildungen, die es zum ersten so vielfältig illustrierten Medizinbuch machten. In unserem heutigen kurz!-Artikel soll nicht nur diese spätmittelalterliche Hantwirckung der wundartzny, sondern auch ihr Straßburger Verfasser im Mittelpunkt stehen. 

Titelblatt der Cirurgia Brunschwigs mit der Darstellung eines 'Wundenmanns'
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/b/b3/Brunschwig_1497.jpg

Sonntag, 7. Mai 2017

Justina Siegemund – Eine Hebamme und ihr Lehrbuch

Auch wenn es sich bei dem Beruf der Wehe-Mutter oder Hebamme um einen der ältesten Frauenberufe überhaupt handelt, sind doch für die Frühe Neuzeit nur wenige Hebammen namentlich bekannt. Eine Ausnahme stellt Justina Siegemund dar, der es nicht nur gelang, zur Hofhebamme am kurfürstlichen Hof von Brandenburg aufzusteigen, sondern auch das 1690 veröffentlichte erste deutsche Lehrbuch für Hebammen zu verfassen. In unserem neuesten Artikel soll das Leben dieser außergewöhnlichen Frau sowie ihr Werk näher vorgestellt werden.

Frontispiz von 1752.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d0/Justina_Siegmundin1.jpg

Sonntag, 23. April 2017

Die Liudolfinger - Wie ein sächsisches Adelsgeschlecht den Aufstieg zum Königtum meisterte

Der Vorharz-Leine-Raum im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt war einst das Stammesgebiet einer der wichtigsten Familien des „deutschen“ Früh- und Hochmittelalters. Die nach dem Stammesvater Liudolf benannten Liudolfinger stellten mit Heinrich I. ab 919 den ostfränkischen König und mit Otto dem Großen ab 962 das weltliche Oberhaupt, den römischen Kaiser. Der Aufstieg dieser sächsischen Adelsfamilie war nicht nur ein Ergebnis des Strebens nach Macht, sondern basierte auch auf einer Reihe von schicksalhaften Ereignissen und Zufällen. Der Geschichte König Heinrichs I. und seinem persönlichen Weg zum Königtum sind wir bereits in einem anderen Artikel nachgegangen. In diesem Artikel soll der Weg bis zu Heinrichs Königtum genauer in den Blick genommen werden. Der Aufstieg der Liudolfinger, die aufgrund der späteren Kaiser Otto I., II. und III. von der Forschung auch als Ottonen tituliert werden, ist der Prototyp einer Erfolgsgeschichte und zeigt die Möglichkeiten und Wege von Adelshäusern, in der Machthierarchie aufzusteigen. 

 
Verwandtschaftstafel der Ottonen in einer Handschrift der Chronica Sancti Pantaleonis aus dem frühen 13. Jahrhundert / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5e/StammtafelOttonen0002.jpg

Sonntag, 9. April 2017

Martin Luther und das Ende der Welt

Martin Luther schlägt seine 95 Thesen an die Türe der Wittenberger Schlosskirche, Gemälde von Ferdinand Pauwels, 1872.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/20/Luther95theses.jpg

Der Thesenanschlag Martin Luthers (1483-1546) an der Schlosskirche zu Wittenberg am 31. Oktober 1517 ist wohl eine der bekanntesten Szenen der deutschen Geschichte. Zwar ist heute umstritten, ob dieses Ereignis tatsächlich so stattgefunden hat, unstrittig ist aber, dass es den Beginn großer Veränderungen mit sich brachte, die nicht nur die römische Kirche, sondern auch das Leben vieler Menschen tiefgreifend verändern sollten. In diesem Jahr jährt sich die Veröffentlichung von Luthers Schrift Disputatio pro declaratione virtutis indulgentiarum (wie die Thesen im lateinischen Original heißen) zum 500. Mal. Für den Reformator wäre dies wohl eher überraschend, schließlich rechnete er zu seinen Lebzeiten selbst bereits dreimal mit dem Weltuntergang (1532, 1538 und 1542). Doch was hatte diese Erwartung des nahenden Endes aller Tage mit seinem großen Erfolg zu tun und wie beeinflusste sie ihn in seinem Handeln? Mit diesen Fragen wird sich unser heutiger Artikel auseinandersetzen. Dabei soll nicht die Theologie Luthers an sich im Vordergrund stehen, sondern vielmehr deren Einordnung in die Zeit und Ideenwelt des Reformators.

Sonntag, 26. März 2017

Eine Eheaffäre im 9. Jahrhundert – Engeltrude und Boso

Es ist egal, ob man den Fall Lothars II. betrachtet, der sich zugunsten seiner Konkubine Waldrada um die Scheidung von seiner Ehefrau Theurberga bemühte, oder die Angelegenheiten von Ludwig dem Stammler, der seine Ehefrau verstieß, um in zweiter Ehe Adelheid zu heiraten, und Judith von Flandern, die ohne Einverständnis ihres Vaters, Karl dem Kahlen, Balduin von Flandern heiratete, es lassen sich zahlreiche solcher Angelegenheiten im 9. Jahrhundert verzeichnen. Besonders der Fall Judiths zeigt, dass es im Frühmittelalter auch Frauen gab, die für ein selbstbestimmtes Leben innerhalb der patriarchalischen Gesellschafts- und Familienstrukturen kämpften. Im Mittelpunkt unseres heutigen kurz!-Artikels steht ein weiterer Fall, der zu den „berühmten Eheaffären des 9. Jahrhunderts“ gezählt werden kann und in dem es auch eine Frau war, die über Jahrzehnte alles dafür tat, ihr Leben nach eigenem Willen zu gestalten.