Sonntag, 10. September 2017

Von listigen Zwergen, kräftigen Riesen und tapferen Helden – die ‚Aventiurehafte Dietrichepik’ I

Wohl jeder, der sich schon einmal mit mittelhochdeutschen Epen beschäftigt hat, dürfte auf jenen Helden gestoßen sein, der nicht nur seinem Onkel Ermrich immer wieder kämpferisch begegnete, sondern auch wundersame Wesen besiegen konnte – Dietrich von Bern. Die Erzählungen von den Abenteuern Dietrichs waren vom 13. bis zum 18. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum sehr beliebt und weit verbreitet. Unser heutiger kurz!-Artikel möchte mit den Erzählungen der sogenannten ‚Aventiurehaften Dietrichepik’ die Heldenepen Dietrichs in den Blick nehmen, in denen er etwa auf Drachen, den Zwerg Bibung, den Riesen Sigenot oder auf den Zwergenkönig Laurin trifft. Neben der Vorstellung der Epen sollen einzelne kleine Abenteuer, die Dietrich von Bern in der ‚Aventiurehaften Dietrichepik’ besteht, kurz vorgestellt werden.

Sonntag, 27. August 2017

Die Weiße Frau - das Hausgespenst der Hohenzollern

Gehüllt in weiße Witwentracht, im weißen Nonnenschleier, so schreitet sie um Mitternacht durch Burg und Schlossgemäuer“ dichtete Christian zu Stolberg-Stolberg 1814 und beschrieb damit das Gespenst der Weißen Frau. Der Sage nach trieb diese über Jahrhunderte ihr Unwesen auf verschiedenen Schlössern des europäischen Adels und kündigte dabei stets ein Unglück oder einen nahenden Todesfall an. Angeblich trat sie erstmals im 14. Jahrhundert in Erscheinung und schon bald häuften sich die Berichte über ihr mysteriöses Auftreten. In unserem heutigen Artikel spüren wir den Ursprüngen der Sage und den möglichen historischen Vorbildern der Weißen Frau nach, erklären, warum dieses Gespenst vor allem mit der Dynastie der Hohenzollern in Zusammenhang gebracht wird, und betrachten den Umgang der Zeitgenossen mit der Gestalt und die Verbreitung dieser.

Sonntag, 13. August 2017

Die æstel Alfred des Großen

Als er im Jahre 871 König von England wurde, stand Alfred der Große (849-899) vor schwierigen Aufgaben: Die Wikinger invadierten England, überrannten große Teile der Insel, plünderten auf ihren Wegen die Städte und besiegten die englischen Heere und siedelten sich schließlich vor Ort an. In dieser Situation hatte Alfred nur noch wenige Krieger zur Verfügung und wurde zurückgedrängt. Ab genau diesem Zeitpunkt beginnt die Legendenschreibung über den Mann, der die Wikinger besiegen und England wieder vereinen sollte. Nachdem die Invasoren besiegt worden waren, widmete sich Alfred der Konsolidierung seines Königreiches und dem Ausbau seiner Herrschaft. In diesem kurz!-Artikel sollen, neben der Person Alfreds und seinem Kampf gegen die Wikinger, zwei zentrale Aspekte dieses Herrschaftsausbaus betrachtet werden, die in den sogenannten æstel Ausdruck fanden und charakteristisch für Alfreds Vorstellungen waren: die symbolische Repräsentation seiner Herrschaft im säkularen Bereich sowie das Streben nach wisdom. Stellvertretend für diese æstel stellen werden in diesem Artikel das Alfred Jewel sowie die damit verbundenen Ziele und Vorstellungen Alfreds vorgestellt. 

Alfred der Große in einer mittelalterlichen Handschrift / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/6d/Alfred_-_MS_Royal_14_B_VI.jpg

Sonntag, 30. Juli 2017

Der Untergang des Weißen Schiffes (1120) und dessen Auswirkungen auf die englische Thronfolge

No ship was ever productive of so much misery to England

So beschreibt der Chronist Wilhelm von Malmesbury (1080/95-um 1143) in seinen Gesta Regum Anglorum (dt. Die Taten der englischen Könige) die Katastrophe, die sich am 25. November 1120 vor der Küste von Barfleur in der Normandie ereignete: Ein neues, und mit der neuesten Technik der Zeit ausgestattetes Schiff, dazu angeheuert, den Nachwuchs des englische Hochadels über den Ärmelkanal zu befördern, lief unmittelbar nach der Abfahrt aus dem Hafen von Barfleur auf einen Felsen auf und sank. An Bord befanden sich auch drei Kinder des englischen Königs, Heinrich I. (1068-1135), unter ihnen sein einziger legitimer Sohn und Nachfolger William Ætheling (1103-1120). Wie bereits vom Chronisten angedeutet, sollte dieses Unglück den Lauf der englischen Geschichte für die folgenden Jahre maßgeblich bestimmen und viel Elend über Land und Leute bringen. Wie es zum Untergang kam und welche langfristigen Folgen dieser hatte, wollen wir in diesem kurz!-Artikel genauer betrachten.

Sonntag, 16. Juli 2017

"von dem ampt der siechmeistrin" – Krankenpflege im mittelalterlichen Frauenkloster

Die Geschichte der Pflege kranker Mönche durch ihre Mitbrüder in den Klöstern des westlichen Kulturraums ist so alt wie die Geschichte dieser monastischen Glaubensgemeinschaften selbst. Die ersten Klosterregeln für Mönchsgemeinschaften schrieben die medizinische caritas fest und ebneten damit den Weg für eine monastisch organisierte Krankenpflege. So fand die Versorgung kranker Mönche schon in der Großen Ordensregel Basilius des Großen im 4. Jahrhundert Berücksichtigung und Benedikt von Nursia widmete diesem wichtigen Bereich im 6. Jahrhundert das 36. Kapitel seiner Regula Benedicti: In eigens zur Verfügung gestellten und innerhalb der Klostermauern liegenden Räumlichkeiten (lat. infirmarium, mhd. siechhûs) sollte sich ein als infirmarius bzw. siechmeister bezeichneter Mönch um die Gesundheit kranker Mitbrüder kümmern. Weit weniger bekannt und erforscht ist demgegenüber die Krankenpflege in mittelalterlichen Frauenklöstern. Gab es auch dort eigens hierfür bereitgestellte Räumlichkeiten und kümmerten sich auch Nonnen um die Versorgung ihrer kranken Mitschwestern? Welche Aufgaben erfüllten Nonnen im infirmarium? Diese Fragen sollen in unserem heutigen kurz!-Artikel beantwortet werden. 



Aderlass-Darstellung von der Ostseite des Nonnenchores des Klosters Wienhausen
(Darstellungen der Monatstätigkeiten); 
©Kloster Wienhausen

Sonntag, 2. Juli 2017

Die Burchardiflut von 1634

Betrachtet man heute eine Karte der Nordfriesischen Inseln, stößt man unter anderem auf die Insel Pellworm, die Halbinsel Nordstrand sowie die Hallig Nordstrandischmoor. Dies war jedoch nicht immer so: Bis ins 17. Jahrhundert existierte an der Stelle der gerade genannten Inseln die damals 220 km² große Insel Strand, manchmal auch Alt-Norstrand genannt. Im Verlauf einer immensen Sturmflut im Oktober 1634 jedoch wurde diese Insel auseinandergerissen und ganze Teile von ihr versanken im Meer. Da zwei Tage nach der Flut – am 14. Oktober – der Namenstag des Bischofs Burkhard von Würzburg (683-755) gefeiert wurde, wurde sie – wie damals üblich – nach ihm benannt und ging als Burchardiflut in die Geschichte ein. Um dieses Ereignis und das Schicksal der Insel Strand geht es in unserem neuen kurz!-Artikel.

Die Nordfriesischen Inseln heute
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Sonntag, 18. Juni 2017

The Holy Island of Lindisfarne

 “A.D. 787.  This year King Bertric took Edburga the daughter of Offa to wife.  And in his days came first three ships of the Northmen from the land of robbers. The reve (30) then rode thereto, and would drive them to the king's town; for he knew not what they were; and there was he slain. These were the first ships of the Danish men that sought the land of the English nation.”                                - Anglo-Saxon Chronicle, The Winchester Manuscript (A)

Während der Herrschaft Beorhtrics (Herrschaftszeit 786-802), König des angelsächsischen Königreichs Wessex, landeten im Jahr 787 drei dänische Schiffe an der Küste von Wessex, wahrscheinlich in der Nähe von Portland bei Dorset. Irrtümlicherweise dachte der reeve, Stellvertreter des earls und damit gleichzeitig Verwalter, Steuereintreiber und Schöffe, dass die ankommenden Dänen Händler seien, die anstehende Steuern zahlen würden. Er führte sie direkt in die Stadt des Königs, wo sie den reeve erschlugen. Dieser Eintrag in den angelsächsischen Chroniken beschreibt den ersten feindseligen Kontakt zwischen Angelsachsen und Dänen und kennzeichnet den Beginn des Viking Age in England. In anderen Quellen findet dieser Vorfall weit weniger Beachtung als ein Ereignis, das sechs Jahre später stattfinden sollte: der Überfall auf das Kloster Lindisfarne. In diesem kurz!-Artikel sollen nicht nur dieser Überfall, sondern auch die Insel selbst und ihr dazugehöriges Kloster im Mittelpunkt stehen.

Das Kloster auf Lindisfarne / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/ed/Lindisfarne_Priory_from_above.jpg