Sonntag, 16. Juli 2017

"von dem ampt der siechmeistrin" – Krankenpflege im mittelalterlichen Frauenkloster

Die Geschichte der Pflege kranker Mönche durch ihre Mitbrüder in den Klöstern des westlichen Kulturraums ist so alt wie die Geschichte dieser monastischen Glaubensgemeinschaften selbst. Die ersten Klosterregeln für Mönchsgemeinschaften schrieben die medizinische caritas fest und ebneten damit den Weg für eine monastisch organisierte Krankenpflege. So fand die Versorgung kranker Mönche schon in der Großen Ordensregel Basilius des Großen im 4. Jahrhundert Berücksichtigung und Benedikt von Nursia widmete diesem wichtigen Bereich im 6. Jahrhundert das 36. Kapitel seiner Regula Benedicti: In eigens zur Verfügung gestellten und innerhalb der Klostermauern liegenden Räumlichkeiten (lat. infirmarium, mhd. siechhûs) sollte sich ein als infirmarius bzw. siechmeister bezeichneter Mönch um die Gesundheit kranker Mitbrüder kümmern. Weit weniger bekannt und erforscht ist demgegenüber die Krankenpflege in mittelalterlichen Frauenklöstern. Gab es auch dort eigens hierfür bereitgestellte Räumlichkeiten und kümmerten sich auch Nonnen um die Versorgung ihrer kranken Mitschwestern? Welche Aufgaben erfüllten Nonnen im infirmarium? Diese Fragen sollen in unserem heutigen kurz!-Artikel beantwortet werden. 



Aderlass-Darstellung mit einer Klosterinfirmarin (?) vom Nonnenchor des Klosters Wienhausen
(Ostseite des Nonnenchores inmitten der Kreismedaillons mit den Darstellungen der Monatstätigkeiten)

Sonntag, 2. Juli 2017

Die Burchardiflut von 1634

Betrachtet man heute eine Karte der Nordfriesischen Inseln, stößt man unter anderem auf die Insel Pellworm, die Halbinsel Nordstrand sowie die Hallig Nordstrandischmoor. Dies war jedoch nicht immer so: Bis ins 17. Jahrhundert existierte an der Stelle der gerade genannten Inseln die damals 220 km² große Insel Strand, manchmal auch Alt-Norstrand genannt. Im Verlauf einer immensen Sturmflut im Oktober 1634 jedoch wurde diese Insel auseinandergerissen und ganze Teile von ihr versanken im Meer. Da zwei Tage nach der Flut – am 14. Oktober – der Namenstag des Bischofs Burkhard von Würzburg (683-755) gefeiert wurde, wurde sie – wie damals üblich – nach ihm benannt und ging als Burchardiflut in die Geschichte ein. Um dieses Ereignis und das Schicksal der Insel Strand geht es in unserem neuen kurz!-Artikel.

Die Nordfriesischen Inseln heute
http://www.viatoura.de/images/fotoalbum/fotoalbum7/01_nordsee_halligen.jpg

Sonntag, 18. Juni 2017

The Holy Island of Lindisfarne

 “A.D. 787.  This year King Bertric took Edburga the daughter of Offa to wife.  And in his days came first three ships of the Northmen from the land of robbers. The reve (30) then rode thereto, and would drive them to the king's town; for he knew not what they were; and there was he slain. These were the first ships of the Danish men that sought the land of the English nation.”                                - Anglo-Saxon Chronicle, The Winchester Manuscript (A)

Während der Herrschaft Beorhtrics (Herrschaftszeit 786-802), König des angelsächsischen Königreichs Wessex, landeten im Jahr 787 drei dänische Schiffe an der Küste von Wessex, wahrscheinlich in der Nähe von Portland bei Dorset. Irrtümlicherweise dachte der reeve, Stellvertreter des earls und damit gleichzeitig Verwalter, Steuereintreiber und Schöffe, dass die ankommenden Dänen Händler seien, die anstehende Steuern zahlen würden. Er führte sie direkt in die Stadt des Königs, wo sie den reeve erschlugen. Dieser Eintrag in den angelsächsischen Chroniken beschreibt den ersten feindseligen Kontakt zwischen Angelsachsen und Dänen und kennzeichnet den Beginn des Viking Age in England. In anderen Quellen findet dieser Vorfall weit weniger Beachtung als ein Ereignis, das sechs Jahre später stattfinden sollte: der Überfall auf das Kloster Lindisfarne. In diesem kurz!-Artikel sollen nicht nur dieser Überfall, sondern auch die Insel selbst und ihr dazugehöriges Kloster im Mittelpunkt stehen.

Das Kloster auf Lindisfarne / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/ed/Lindisfarne_Priory_from_above.jpg

Sonntag, 4. Juni 2017

Jenny Geddes und der Krieg der Stühle

Radierung von Wenceslaus Hollar (1607-1677), https://en.wikipedia.org/wiki/Jenny_Geddes#/media/File:Riot_against_Anglican_prayer_book_1637.jpg

Dieses Bild zeigt eine populäre Szene der Stadtgeschichte von Edinburgh: den sogenannten war of the chairs (Krieg der Stühle) am 23. Juli 1637 in der St. Giles’ Cathedral. In dessen Zuge wurde der Dekan der Kirche von einem wütenden Mob aus Besuchern seines Gottesdienstes mit Stühlen und Wurfgeschossen attackiert. Eine zentrale Rolle spielte dabei, zumindest legendenhaften Erzählungen nach, eine Marktfrau namens Jenny Geddes. Wie es zu diesem Ereignis kam, das sich zu einem stadtweiten Aufstand entwickelte und in einer regelrechten Serie von weiteren Konflikten zwischen England und Schottland gipfelte und welche Rolle Jenny Geddes dabei gespielt hat, soll in diesem kurz!-Artikel genauer untersuchen. 

Sonntag, 21. Mai 2017

Hieronymus Brunschwig und sein „buch der Cirurgia“

Als der Straßburger Drucker Johann Grüninger im Juli 1497 eine Inkunabel mit dem Titel Dis ist das buch der Cirurgia. Hantwirckung der wundartzny herausgab, war damit das erste gedruckte Chirurgiebuch in deutscher Sprache erhältlich geworden. Zudem beinhaltet die vom Straßburger Wundarzt Hieronymus Brunschwig verfasste Inkunabel fast 50 ganzseitige und zahlreiche kleinere Abbildungen, die es zum ersten so vielfältig illustrierten Medizinbuch machten. In unserem heutigen kurz!-Artikel soll nicht nur diese spätmittelalterliche Hantwirckung der wundartzny, sondern auch ihr Straßburger Verfasser im Mittelpunkt stehen. 

Titelblatt der Cirurgia Brunschwigs mit der Darstellung eines 'Wundenmanns'
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/b/b3/Brunschwig_1497.jpg

Sonntag, 7. Mai 2017

Justina Siegemund – Eine Hebamme und ihr Lehrbuch

Auch wenn es sich bei dem Beruf der Wehe-Mutter oder Hebamme um einen der ältesten Frauenberufe überhaupt handelt, sind doch für die Frühe Neuzeit nur wenige Hebammen namentlich bekannt. Eine Ausnahme stellt Justina Siegemund dar, der es nicht nur gelang, zur Hofhebamme am kurfürstlichen Hof von Brandenburg aufzusteigen, sondern auch das 1690 veröffentlichte erste deutsche Lehrbuch für Hebammen zu verfassen. In unserem neuesten Artikel soll das Leben dieser außergewöhnlichen Frau sowie ihr Werk näher vorgestellt werden.

Frontispiz von 1752.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d0/Justina_Siegmundin1.jpg

Sonntag, 23. April 2017

Die Liudolfinger - Wie ein sächsisches Adelsgeschlecht den Aufstieg zum Königtum meisterte

Der Vorharz-Leine-Raum im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt war einst das Stammesgebiet einer der wichtigsten Familien des „deutschen“ Früh- und Hochmittelalters. Die nach dem Stammesvater Liudolf benannten Liudolfinger stellten mit Heinrich I. ab 919 den ostfränkischen König und mit Otto dem Großen ab 962 das weltliche Oberhaupt, den römischen Kaiser. Der Aufstieg dieser sächsischen Adelsfamilie war nicht nur ein Ergebnis des Strebens nach Macht, sondern basierte auch auf einer Reihe von schicksalhaften Ereignissen und Zufällen. Der Geschichte König Heinrichs I. und seinem persönlichen Weg zum Königtum sind wir bereits in einem anderen Artikel nachgegangen. In diesem Artikel soll der Weg bis zu Heinrichs Königtum genauer in den Blick genommen werden. Der Aufstieg der Liudolfinger, die aufgrund der späteren Kaiser Otto I., II. und III. von der Forschung auch als Ottonen tituliert werden, ist der Prototyp einer Erfolgsgeschichte und zeigt die Möglichkeiten und Wege von Adelshäusern, in der Machthierarchie aufzusteigen. 

 
Verwandtschaftstafel der Ottonen in einer Handschrift der Chronica Sancti Pantaleonis aus dem frühen 13. Jahrhundert / Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5e/StammtafelOttonen0002.jpg