Sonntag, 31. Juli 2016

Der Londoner Kutschenstreit

Ludwig XIV. (1638-1715), der wohl bekannteste französische König, wurde schon im Alter von vier Jahren als König inthronisiert, nachdem sein Vater Ludwig XIII. im Mai 1643 gestorben war. Zunächst übernahm seine Mutter, Anna von Österreich (1601-1666), die Regentschaft für ihren noch unmündigen Sohn, wobei politische Entscheidungen in dieser Zeit schon hauptsächlich vom leitenden Minister und Kardinal Jules Mazarin (1602-1661) getroffen wurden. Dieser übernahm außerdem die Rolle des Erziehers Ludwigs und machte ihn mit der Führung des Staates vertraut. Als Mazarin 1661 starb, war Ludwig 22 Jahre alt und bereit, die Regierungsgeschäfte von nun an eigenständig zu führen und zu beweisen, dass er im Spiel der europäischen Mächte nicht nur bestehen, sondern dieses auch dominieren konnte. In diesem Artikel soll es um eine der ersten Amtshandlungen Ludwigs, den sogenannten Londoner Kutschenstreit, gehen, mit der der spätere „Sonnenkönig“ erstmals eigenständig die Vormachtstellung Frankreichs gegenüber Spanien einforderte und durch taktisches Agieren schließlich auch durchsetzen konnte.


Ludwig XIV. 1661, Gemälde von Charles Le Brun, Öl auf Leinwand, Schloss von Versailles.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/40/Louis-xiv-lebrunl.jpg

Sonntag, 24. Juli 2016

Item we den Papegojen affschüt – Papageienschießen im Mittelalter

Zumeist einmal im Jahr treffen sich heute in zahlreichen Städten Schützenvereine oder Schützenbruderschaften zu ihren Schützenfesten, zu deren Höhepunkt ein Schießwettbewerb unter den Mitgliedern gehört. Doch wo liegen die Ursprünge dieser Volksfeste? Wann ist die Tradition der Schützenfeste entstanden? Dieser Artikel möchte die gestellten Fragen beantworten und aufzeigen, dass die Geschichte der Schützenfeste bis ins Mittelalter zurückreicht. Denn spätestens im 15./16. Jahrhundert war das Papageienschießen um Pfingsten, bei dem in den meisten Fällen ein bunter, papageienartiger, hölzerner Vogel von einer Stange geschossen werden musste, eins der wichtigsten bürgerlichen Feste nach der Fastnacht, das vor allem in den größeren Städten Nordeuropas weit verbreitet war. 

Darstellung eines Papageienschießens aus dem 16. Jahrhundert
https://fr.wikipedia.org/wiki/Papegai#/media/File:Jeu_du_papegay_en_Anjou.jpg

Sonntag, 17. Juli 2016

Wege in die Freiheit – Sklaverei im Mittelmeerraum Teil 1



"Sighting the quarry from the deck of the corsair" - Ölgemälde von Niels Simonsen / Quelle: http://www.wikigallery.org/wiki/painting_286379/Niels-Simonsen/Sighting-the-quarry-from-the-deck-of-the-corsair

Das oben dargestellte Gemälde von Niels Simonsen (1837) zeigt eine für den spätmittelalterlichen Mittelmeerraum typische Szenerie. Zu sehen ist ein auf dem Mittelmeer fahrendes Korsarenschiff aus Nordafrika mit Besatzung. Das Schiff besitzt Kanonen, die Besatzung ist bewaffnet und sichtet im abgebildeten Moment ein anderes Schiff, das überfallen und gekapert werden soll. In einem solchen Fall lauerten die Korsaren, also Seeräuber, die mit einem eigenen, vom Staat unabhängigen, Schiff Handelsschiffe kaperten, besonders reichen Christen auf, die in Geiselhaft genommen und später verkauft werden konnten, oder auch armen Christen, die auf dem Sklavenmarkt ihren Besitzern gutes Geld einbrachten.

Sonntag, 10. Juli 2016

Friedrich I. und die Päpste: Teil II – Die Kaiserkrönung, der Abbruch des Italienzuges und die Zuwendung des Papstes zu den Normannen in Sizilien


Der thronende Kaiser Friedrich I. Barbarossa; Miniatur aus der Welfenchronik (um 1170 entstanden), https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_I._%28HRR%29#/media/File:Friedrich-barbarossa-und-soehne-welfenchronik_1-1000x1540.jpg

Im ersten Teil unserer kurz!-Reihe über die Beziehungen Friedrich I. Barbarossas zu Papst Hadrian IV. ging es um einen Eklat im Rahmen des ersten persönlichen Aufeinandertreffens zwischen den beiden Männern. Dabei stand die nach Meinung der päpstlichen Seite ungenügende Ausführung des Strator- und Marschalldienstes und die anschließende Verweigerung des Papstes, dem deutschen König den Friedenskuss zu geben, im Fokus. Nachdem dieser Konflikt schließlich überwunden werden konnte, sollte nun Barbarossas Kaiserkrönung durch Hadrian IV. in Rom erfolgen, die der eigentliche Anlass des ersten Italienzuges (1154-1155) gewesen war.

Sonntag, 26. Juni 2016

Wilhelmine von Grävenitz – Aufstieg und Fall einer Mätresse

Dass Herrschende in der Frühen Neuzeit Mätressen hatten und diese teilweise über immensen politischen Einfluss verfügten, war keine Seltenheit. Madame de Pompadour, Mätresse des französischen Königs Ludwig XV., ist hierfür wohl das bekannteste Beispiel. Dabei waren jene Frauen aber auch stets der Gefahr ausgesetzt, den gerade gewonnenen Einfluss genauso schnell wieder zu verlieren. In unserem heutigen Artikel beschäftigten wir uns mit Wilhelmine von Grävenitz (1685-1744), die als Mätresse des Württembergischen Herzogs Eberhard Ludwig (1676-1733) einen enormen gesellschaftlichen und politischen Aufstieg erlebte, bevor sie durch einen plötzlichen Todesfall in der Familie des Herzogs ihrer Stellung und ihres Ansehens beraubt wurde.

Sonntag, 19. Juni 2016

Item eyne nüwe nase zcu machen – Die Beschreibung der Nasenersatzplastik Heinrichs von Pfalzpaint

Als der deutsche Mediziner Carl Ferdinand von Graefe zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Berlin mehrere Nasenrekonstruktionen durchführte, wandte er dabei eine Methode an, die bereits knapp 400 Jahre vor ihm vom Wundarzt Heinrich von Pfalzpaint (1400-1465) als neue 'italienische Methode' beschrieben worden war. Auch wenn Graefe seine Rekonstruktionsmethode als 'deutsche Methode' verstand, wandte er also medizinisch-chirurgisches Wissen an, dass im Mittelalter entstanden und (weiter)entwickelt worden war. Im Mittelpunkt unseres Artikels soll die spätmittelalterliche Beschreibung der gestielten Nasenersatzplastik Heinrichs von Pfalzpaint stehen, die als Erstbeschreibung der Nasenplastik überhaupt gelten kann.

Sonntag, 12. Juni 2016

Friedrich I. Barbarossa und die Päpste: Teil I – Der Eklat von Sutri


 
Friedrich I. Barbarossa küsst Papst Alexander III. die Füße, Francesco Salviati, entstanden im 16. Jahrhundert, http://www.zeno.org/Kunstwerke/B/Salviati,+Francesco%3A+Die+Vers%C3%B6hnung+zwischen+Papst+Alexander+III.+und+Friedrich+I.+Barbarossa+in+Venedig.
Dieses Bild zeigt die Aussöhnung Friedrich I. Barbarossas (um 1122-1190) mit Papst Alexander III. (um 1100-1181) nach dem fast 20 Jahre andauernden sogenannten "Alexandrinischen Schisma", dessen Entstehung durch eine ganze Reihe von Konflikten zwischen Kaiser und Kurie begünstigt wurde. Friedrich I. Barbarossa ist wohl eine der bekanntesten Gestalten des Mittelalters. Meist wird er als eine Art Lichtgestalt und Identitätsstifter in der deutschen Geschichte dargestellt und seine Herrschaft als äußerst erfolgreich nachgezeichnet. Dass es innerhalb seiner Regierung aber auch zu den oben bereits erwähnten heftigen Auseinandersetzungen mit dem Papst und der römischen Kurie kam, die schließlich in einer Kirchenspaltung endeten, wird dabei häufig übersehen. Weshalb sich die Fronten zwischen Papst und Kaiser so dermaßen verhärteten, dass es 1159 zu einer doppelten Papstwahl kam, bei der sich die Wunschkandidaten der kaiserlichen und der kurialen Partei unversöhnlich gegenüberstanden, soll in dieser kurz!-Reihe beleuchtet werden. Dabei soll immer wieder die Frage im Vordergrund stehen, inwiefern den verschiedenen Konflikten möglicherweise eine Provokation zugrunde lag und wann es sich schlicht um ein Missverständnis gehandelt haben könnte.